Meisterschaft
Meisterschaft
Den Weg der Meisterschaft zu betreten, heißt schöpferische Souveränität und Verantwortung zu übernehmen.
Der Meister weiß: „Die Erkenntnis lehrt mich, dass ich nichts bin. Die Liebe lehrt mich, dass ich alles bin. Dazwischen fließt mein Leben.“
Im Dazwischen ist alles mit allem verbunden und folgt dem Prinzip der Verbindung, den Gesetzmäßigkeiten der Liebe. Meisterschaft heißt aber auch zu erkennen, dass die Liebe, dass die Verbindung, zwei Wirkprinzipien folgt oder zwei Dimensionen hat, eine horizontale und eine vertikale.
Das horizontale Prinzip der Verbindung wirkt in dem, was wir als Wirklichkeit bezeichnen, und dieses grundsätzliche Verbindungswirkprinzip ist in allen Wissenschaftsdisziplinen unbestritten anerkannt, von der Kybernetik und Systemtheorie bis hin zur Biologie und Quantenphysik.
Das vertikale Prinzip der Verbindung hingegen ist ewig präsent in dem, was wir als Wahrheit bezeichnen, es ist das kosmische Gesetz der Verbindung, das wesentlich Beziehungshafte von allem, es ist die Urenergie, es ist die Liebe. Die großen Weisheitstraditionen der Menschheit wissen durchgängig von diesem kosmischen Verbindungskanal, den es immer freizuhalten gilt, zu berichten.
Erleuchtung wird gemeinhin als ein Zustand bezeichnet, der dem Erleben der Trennungslosigkeit (der „unio mystica“) in der vertikalen Dimension folgt. An diese Erfahrung sind viele Missverständnisse gekoppelt, denn für die Meisterschaft genügt es nicht, das Erleuchtungserlebnis gehabt zu haben, erforderlich ist auch, ein Weltbild in sich zu tragen oder: in ein Weltbild eingebettet zu sein, das auf Verbindung beruht und die Erleuchtungserfahrung widerspiegelt. Viele Erleuchtete meinen, die Fahrprüfung schon bestanden zu haben, indem sie ihr Alleins-Erlebnis in die Horizontale mit ihren Trennungsillusionen projizieren.
Fataler Weise stellen sie damit eine neue Trennung her, eine Trennung zwischen der „richtigen“ Welterkenntnis der Vertikalen und der „falschen“ Illusion der Horizontalen. Sie verkennen die eigentümliche und geheimnisvolle Verbindungsmechanik, die in der horizontalen Dimension wirkt, die faszinierenden Synchronizität welche beide Dimensionen verbindet – und steuern ihr Erleuchtungsmobil womöglich in die Gräben der Egomanie, des Machtmissbrauchs oder des Zynismus. „Ich bin so, wie ich bin“ sagt solch ein Erleuchteter, und sieht nicht, wie Gott ihn anlächelt.
Der Meister hingegen erkennt, dass es auch hier keine Unterscheidung gibt, dass die Verbindung alldimensional ist, und er nimmt die Position der Mitte ein, er balanciert im Schnittpunkt des Fadenkreuzes der Vertikalen und Horizontalen, auf des Messers Schneide, fein austariert und zentriert mithilfe des Gyroskops in seinem Herzen. Von hier aus hat er einen 360-Grad-Rundumblick, er steht still, ist aber nicht bewegungslos, er reitet die Wellen der Horizontalität - seiner Wahrnehmung -, die sich aus dem Meer der Vertikalität bilden.
Der Meister ruht im Wendepunkt, im Wesentlichen – er ist auf den Punkt gekommen, denn sein Weltbild besteht auf Verbindung.
Der Meister ist in der Lage, immer wieder den Punkt zu finden und hält den vertikalen Kanal der Erkenntnis offen. Projektionen nimmt er weder an noch sendet er sie aus. Er steht im Licht und lässt das Dunkle „da sein“.
Der Meister nimmt nichts persönlich. Für ihn gibt es nur Geschenke, Lösungen und Weichenstellungen. Denn er weiß, eine Ordnung durchdringt alles, den Kosmos mit seinen Millionen fein aufeinander abgestimmten Vorgänge ebenso wie seine körperliche und geistige Welt.
Der Meister ist im Herzen verankert, er wandelt auf der Herzensachse und erschafft in der Horizontalen durch sein Handeln, Denken und Verhalten eine Wirklichkeit, die von Liebe durchdrungen ist.
Er tut, was getan werden muss, in ihm fallen Handeln und Sein zusammen, sein Tun ruht im Sein und in seinem Hier und Jetzt manifestiert sich lebendig die ursprüngliche Information. Der Meister behält es sich vor, selbst zu wissen, ob, wann und wie es passiert.
Jo von Beust nach Lehren von Christina Kessler
Samstag, 15. Mai 2010

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