Medusa2
Medusa2
Das Blut der Erde oder: Die Mitte des Medusa-Zyklus
Medusa und das Gefühl, dass eine großer Zyklus zuende geht, lässt mich nicht mehr los. Wenn ich den Medusa-Mythos umwandere, in das Dunkle, Schroffe, Verbannte hinabsteige, begegne ich der männlich-archaischen Angst vor der Sinnlichkeit, vor der Weiblichkeit, vor der blutenden Frau ... die sich zurückgezogen, verborgen hat.
Die Schönheit der Medusa vor ihrem „Sündenfall“ war furchteinflößend, vor ihrer Hingabe an einen Gott, Poseidon, den - männlichen - Gott des Meeres, den Fließenden, sich Entziehenden, den Untreuen, der sie verlässt, blossstellt und ausliefert. An Athene, die Beschützerin der männlichen Helden, die Göttin der „Weisheit“, der Strategie, des Kampfes.
Die Medusa kommt mir vor wie die Geschichte des „Großen Verrats“ an der Weiblichkeit, an der Erdmutter Gaia, sie erzählt von Auslieferung der Erde an den Intellekt, an den Kampf, an das patriarchale System.
Später, sehe ich, wie die archaische, blutende Weiblichkeit im System der - sich bekriegenden - patriarchalen Religionen zur „Jungfrau“ beschnitten wird und die weibliche Haarpracht, der Schlangenkopf - selbst nach der Enthauptung noch Gefahr -eingehüllt, verdeckt, versteckt wird.
Der Verhüllung und Verdrängung folgen die Verstümmelung, die Erniedrigung, Unterdrückung, die Hierarchisierung und schließlich die Allmachtsphantasien, die mechanistische und trenndende Weltanschauung und die damit einhergehende Sinnentleerheit, Erstarrung ... der Kreis des Mythos schließt sich.
Die Zeitenwende hat begonnen.
Samstag, 2. April 2011

0023 | 03/2011
Acryl auf Leinwand
125 cm x 105 cm
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